Edgar Abraham

Für männliche Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren war im Deutschen Reich der sechsmonatige Arbeitsdienst Pflicht. So begann der "Ehrendienst am deutschen Volke" für Edgar Abraham im März 1940. Nahtlos folgte die Einberufung zum deutschen Heer im Oktober des gleichen Jahres. Seine Ausbildungskompanie war die 4. Kompanie des Infanterie-Ersatz-Bataillon 25 in Stargard. Ab da begann eine Odyssee die er, wie durch ein Wunder, überlebte.

 

Die erste Phase  des Krieges führte Edgars Einheit, die 8. Kompanie des Infanterie Regiments 329 (unterstand der 162.Infanterie-Division) in drei große Schlachten: die Kesselschlacht bei Smolensk, die Schlacht bei Wjasma, und eine der blutigsten Schlachten im 2. Weltkrieg, die Schlacht von Rschew (zwischen 1 und 1,5 Millionen Gefallene auf beiden Seiten)

 

Bei der Schlacht von Rschew sind tausende Soldaten, die auf dem Vormarsch zur Front waren, an schweren Erfrierungen gestorben. Schneestürme und Kälte bis zu Minus 45 Grad begleiteten die Soldaten über Wochen in diesem sinnlosen Gefecht.

Edgar hatte Glück, er kam mit Erfrierungen am rechten Fuß in einen Lazarettzug über Wien (Reservelazarett) nach Deutschland zurück. Zuerst in die Genesendenkompanie des Infanterie-Ersatz-Bataillon 27 später in die 4. Kompanie der in Rostock stationierten Einheit. Ersatzbataillone dienten einerseits der Ausbildung neuer Rekruten waren aber auch Ergänzungstruppen, aus denen heraus, im Kriegsfalle, reguläre Einheiten wieder aufgefüllt wurden, um ihren Sollbestand zu erhalten.

 

Nach seiner Genesung wurde er in die 8. Kompanie des Füsilier-Regiments 802 versetzt. Beteiligt an der von 1942 bis 1943 stattfindenden Woronesch-Woroschilowgrader Operation, erlitt Edgar bei einem Gefecht in Schablenoje unweit von Sumy eine Artilleriegeschosssplitterverletzung der linken Hand. Allerdings verblieb er vorerst bei der Einheit und wurde im dortigen Sanitätslazarett medizinisch versorgt. Aufgrund der Schwere der Verletzung wurde er Ende 1943 mit einem Lazarettzug über in die Krankensammelstelle Lemberg in das Reservelazarett Aulhausen verlegt.

Anfang 1944 kam er zuerst in die Genesendenkompanie des Füsilier-Ersatz-Bataillon 202 nach Schwerin bevor er mit der 4. Kompanie des Grenadier-Regiments 1054 an die Kanalküste verlegt wurde und letztendlich Mitte 1944 in der Normandie in Britische Gefangenschaft geriet.

Die Lebensverhältnisse in den in Belgien befindlichen Lagern Berchem und Vilvoorde, wo bis zu 15.000 Gefangene in Zelten hausten, waren relativ zufriedenstellend. Es kam allerdings wiederholt zu Übergriffen, wobei vielen Gefangenen persönliches Eigentum abgenommen wurde, ohne dass sie hierfür eine Empfangsbestätigung erhalten hätten. Immerhin waren in diesen Lagern die hygienischen Einrichtungen zufriedenstellend, auch erhielten die Gefangenen eine einigermaßen ausreichende Verpflegung.(1)


Im Dezember 1945 wurde er, aus dem unter der Aufsicht des britischen Militärs stehenden Kriegsgefangenenlager (P.O.W) in Vilvoorde, Belgien (2218) entlassen.

 

Edgar kam nach Oberhausen, meldete sich dort polizeilich an und suchte sich eine Wohnung. Wahrscheinlich war es die Liebe zu seiner zukünftigen Ehefrau, die es ihm veranlasste, Oberhausen nach nur einen Monat wieder zu verlassen und in seine alte Heimat nach Pommern zurück zu kehren.  

(1) Kurt W. Böhme: Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkrieges. Gieseking 1964.